Worum geht es? – (Echo | Lot)
Worum geht es?

Echo | Lot – Eine Annäherung an das Unsichtbare der Orte
Ein partizipatives Performance- und Installationsprojekt

„Die Welt der Wahrnehmung [ … ] scheint uns auf den ersten Blick bestens bekannt zu sein [ … ]
Doch trifft dies nur dem Anschein nach zu.
Die Welt der Wahrnehmung bleibt in hohem Maße von uns unerkannt, es bedurfte viel Zeit, Anstrengung und Kultur, sie freizulegen, und [ … ] uns diese Welt, in der wir leben, und die wir doch ständig zu vergessen geneigt sind, wiederentdecken zu lassen.“
Maurice Merleau-Ponty

Wir leben in einer komplizierter werdenden Welt. Wir beobachten das Auseinanderdriften der Gesellschaft, eine größer werdende Gleichgültigkeit und den Verlust gemeinsamer Erfahrungsräume. Um diese Räume neu zu erkunden und sich darüber auszutauschen, werden verschiedene Orte in Chemnitz befragt. Denn unter der Oberfläche der alltäglichen Erscheinungen können verschiedene Sedimente aus Geschichte(n), Erinnerungen, Sehnsüchten, Erwartungen und Imaginationen entdeckt werden, die wir im flüchtigen Vorübergehen des Alltags nicht wahrnehmen.
Die untersuchten Orte sind daher mehr als Koordinatenpunkte auf einer Karte.
Wir verbinden mit ihnen ein Erlebnis, eine Erinnerung, einen besonderen Moment und vielleicht auch nur die besondere Schönheit dieses Ortes, oder aber ein Unwohlsein.
Diese Orte haben Atmosphäre, einen Geruch, eine ganz besondere Haptik. Hier kreuzen sich Wege, Richtungen ändern sich, Klänge schwellen an, verschwinden oder ertönen unerwartet. Hier treffen verschiedene Kraftfelder, Bewegungen und Energien aufeinander.
Dennoch lässt sich der Ort nicht in seiner Gesamtheit fassen. Er bleibt unbestimmt. Zu viele Bedeutungsebenen überlagern sich, zu indifferent ist seine Erscheinung.

Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Sehbehinderung nähert sich ausgewählten Orten, künstlerisch an. Als Expert*innen der Wahrnehmung von Dingen, die sich der Sichtbarkeit entziehen, erarbeiten sie in einer übergreifenden künstlerischen Untersuchung bewegte theatrale Aktionen und ortsspezifische Skulpturen zu ausgewählten Orten. Da einige Teinehmer*innen des Projekts durch ihre Einschränkung in der Wahrnehmung des Sichtbaren darauf angewiesen sind, sich auf andere Sinne zu konzentrieren, können sie uns zu helfen, die Geheimnisse und unsichtbare Schichten der Stadt zu entschlüsseln. Zugleich soll die Arbeit helfen, Barrieren zwischen Menschen mit unterschiedlichen Wahrnehmungen einzureißen und scheinbare Defizite als Chance zu begreifen, die uns hilft Unentdecktes fassbar und begreifbar zu machen.
In diesem Sinne ist die Arbeit ein Beitrag zur politischen Kultur, als Ermunterung trotz scheinbar diametral entgegengesetzter Sichtweisen auf die Wirklichkeit, die Mühen des unvoreingenommenen Austausches auf sich zu nehmen und den gesellschaftlichen Dialog zu suchen.

Die Ergebnisse werden im Rahmen des 875-jährigen
Jubiläums der Stadt Chemnitz gezeigt.